Vom Krankenhaus zum kranken Haus – Follow-Up der AG Medizin und Ökonomisierung

„Die Folgen (der) fehlgeleiteten Ökonomisierung der Medizin sind ein reduziertes Engagement oder sogar der Verlust motivierter Fachkräfte(…)“ – mit diesen Worten brachte der Deutsche Ärztetag im Mai 2016 auf den Punkt, weshalb wir als zukünftige Leistungserbringer*innen im Gesundheitssystem uns mit dem Begriff Ökonomisierung auseinandersetzen sollten. Denn scheinbar ist Ökonomisierung der Grund dafür, dass wir oft schon bald nach Berufsbeginn keine Lust mehr haben.

Nach der ersten Veranstaltung im Januar 2019 waren wir in der AG Medizin und Ökonomisierung hoch motiviert, uns noch mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Wie ihr hier (https://www.mhhasta. de/schulung-medizin-und-oekonomisierung/) nachlesen könnt, hatten dort viele von uns das erste Mal genaueres über Krankenhausfinanzierung und das Fallpauschalensystem gehört. Bestärkt durch viel konstruktives Feedback machten wir uns deshalb an die Planung einer Folgeveranstaltung, in der noch mehr Menschen die Möglichkeit bekommen sollten, dieses System zu verstehen und seine Auswirkungen zu diskutieren.

In der Vorbereitung für unseren Workshop „Vom Krankenhaus zum kranken Haus“ setzten wir als Orga-Team uns selbst so tief wie möglich mit der Funktionsweise des Krankenhausfinanzierungssystems auseinander und diskutierten immer wieder über seine Folgen. Je mehr wir uns damit beschäftigten, desto überwältigender erschien uns die Komplexität des Themas. Klar ist, dass das aktuelle Finanzierungssystem uns als zukünftige Ärzt*innen direkt in unseren medizinischen Entscheidungen beeinflusst. Und dass wir uns genau diesen Einflussfaktoren bewusst werden müssen, wenn wir nicht Spielbälle des Systems werden und unsere eigentliche Motivation für den Beruf behalten wollen.

Neben ausführlicher Internet- und Literaturrecherche und einem klärenden Gespräch mit Christian Krauth und Kristina Schaubert vom Institut für Public Health, nahmen zwei von uns an der Tagung „Krankenhäuser – Zwischen Patientenwohl und Kostendruck“ teil.
Auf dieser vom Zentrum für Gesundheitsethik organisierten Tagung kamen Experten wie der Sozialwissenschaftler Michael Simon, der Medizinethiker Alexander Dietz und der Wirtschaftswissenschaftler Martin Büscher zu Wort. In persönlichen Gesprächen und während der Vorträge konnten wir unser Verständnis zu den Zusammenhängen zwischen Medizin und Ökonomie erweitern und hinterfragen. Besonders interessant war auch der Austausch mit den an der Tagung teilnehmenden Patientenvertreter*innen und Seelsorger*innen über deren Perspektive bzw. die Perspektive der Patient*innen. Dabei wurde nochmal deutlich, dass der Aufbau unseres Gesundheitssystems im Allgemeinen und auch die Finanzierung von Krankenhäusern im Speziellen jeden etwas angeht.

Deshalb haben wir uns besonders gefreut, dass unser Workshop im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnisses der kritischen Mediziner*innen sowohl von Menschen aus dem medizinisch-pflegerischen Kontext also auch aus ganz anderen Studiengängen besucht wurde. Nach einem dreigeteilten Inputvortrag über die Zusammenhänge zwischen Ökonomie und Medizin, Krankenhausfinanzierung und speziell das Fallpauschalensystem, nahmen wir uns im Anschluss Zeit, zusammen Verständnisfragen zu klären, uns über eigene Erfahrungen auszutauschen und Folgen zu diskutieren.

Wie in der Abschlussrunde klar wurde, war das noch lange nicht genug. Viele Aspekte konnten aus Zeitgründen nicht besprochen werden und wir alle hatten am Ende das Gefühl, uns noch mehr damit beschäftigen zu wollen und zu verstehen, wie es besser gehen kann.

Hier unser Vorschlag: Kommt zu unserem nächsten Projektgruppentreffen am Montag, den 17.06. um 17 Uhr in Seminarraum 6 (I2 direkt beim Wohnzimmer). Wir bereiten einen kleinen inhaltlichen Input zum Thema Pflegepersonal Stärkungsgesetz vor, über den dann diskutiert werden kann. Kommt vorbei, diskutiert mit und beteiligt euch an der Organisation weiterer Veranstaltungen.

Wir freuen uns auf euch!

/jn