Schulung Medizin und Ökonomisierung

Als am Mittwoch, den 19. Januar um kurz nach 16 Uhr in den Seminarräumen 1 und 2 endlich alle einen Platz gefunden haben, sind wir baff: Krass, hier sitzen fünfundfünzig unserer Kommiliton*innen und interessieren sich für die Multiplikator*innenschulung zum Thema Medizin und Ökonomisierung.

Wir, das sind eine lose Gruppe von Studierenden, die sich seit Anfang diesen Semesters zusammengefunden haben, um genau darüber zu diskutieren. Für diesen Mittwoch hat Marie Felix eingeladen, einen Kinderarzt, der sich als Mitglied des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) schon viel mit den Zusammenhängen und Problemen in unserem aktuellen Gesundheitsfinanzierungssystem beschäftigt hat. Er spricht mit uns über Fallpauschalen, Privatisierung und Konkurrenz und wir diskutieren darüber, was falsch läuft und wie man was besser machen könnte. Ziel der Veranstaltung ist auch, dass wir Teilnehmenden das Besprochene später weitergeben und noch mehr Menschen für das Thema sensibilisieren können.

»Ökonomisierung ist, wenn Ärzt*innen mehr Zeit mit der Verschlüsselung von Diagnosen in komplizierten mehrstelligen Codes verbringen, als mit ihren Patienten«, antwortet eine Kommilitonin auf Felix’ Einstiegsfrage. Zur weiteren Einstimmung lesen wir »Wie Gewinne entstehen«, einen vom privaten Klinikanbieter Helios veröffentlichten Text. Schon in den ersten Minuten des Seminars wird klar, dass einiges schief läuft. Wenn mit Gesundheitsleistungen private Gewinne erzielt werden können und wenn durch weniger Personal Geld gespart wird, um Investitionen zu finanzieren, dann ist dieses nach ökonomischen Anreizen ausgerichtetes Finanzierungssystem nicht mit dem ärztlichen Anspruch vereinbar, »im Dienst der Menschlichkeit« zu handeln.

Nach der ersten Diskussionsrunde und einer kurzen Kaffee- und Snackpause hält Felix einen einstündigen Vortrag über Hintergründe und Auswirkungen des aktuellen Systems.
Diagnosis Related Groups (DRG), Unterfinanzierung, Selbstkostendeckung – in der mit vielen Zahlen und Diagrammen gestalteten Präsentation werden Schlagworte erklärt, die wir viel eher aus den Medien als aus unserem Studium kennen. Leider kommt da das Thema Finanzierung des Gesundheitssystems kaum vor und wenn, dann eher unkritisch betrachtet. Vermutlich sind wir deshalb an diesem Mittwoch leider nicht alle mit den gleichen Voraussetzungen in dieses Seminar gestartet.

Felix gibt dem Plenum immer wieder Raum für Diskussionen und macht klar, dass bald wir diejenigen sein könnten, die Input zu diesem Thema geben. Denn wir brauchen mehr Raum, mehr Veranstaltungen, um über Ökonomisierung zu reden!

Aber wie könnte man es denn besser machen? Am Ende der Veranstaltung diskutieren wir über mögliche Lösungsansätze. Sollte man Privatisierung verbieten oder nur besser regulieren? Profit in der Medizin gehört verboten, oder?! Eigentlich sollten die Länder für Investitionskosten der Krankenhäuser aufkommen, warum klappt das nicht? Finanzierung sollte bedarfsorientiert sein – aber wer bestimmt, was gebraucht wird? Felix muss uns enttäuschen: Er hat kein perfekt ausgearbeitetes Konzept dabei, wie alles besser wird. Aber er und auch viele der Mitdiskutierenden betonen: Wenn weiter für das Problem sensibilisiert wird, wenn wir Interessensgruppen bilden und uns solidarisieren, wenn wir versuchen »nicht mitzumachen«, dann kann sich etwas verändern.

Wenn ihr mehr zu dem Thema wissen wollt, lest Annas Artikel »Probier‘s mal mit Gemütlichkeit«

https://elearning.mh-hannover.de/ilias/goto.php?target=file_39357_download&client_id=elearning

Oder informiert euch über das Bündnis Krankenhaus statt Fabrik: https://www.krankenhaus-statt- fabrik.de/
Außerdem treffen wir uns am 23.01. um 17 Uhr im AStA, um das Gehörte zu verarbeiten und weitere Aktionen zu planen; kommt gern vorbei!

/jn