Ki in der Medizin – dritter Abend der Projektwoche

Nach den ersten zwei gelungenen Abenden der »Künstlichen Intelligenz« Projektwoche an der MHH ging es bei der Mittwochsveranstaltung um die KI in der Medizin.

Johannes Teller eröffnete den Abend und wies darauf hin, dass die Projektwoche als studentische Initiative ein kritisches Auseinandersetzen mit der Thematik KI, auch im medizinischen Kontext, schaffen und als Möglichkeit für eine »neue KI Ära« an der MHH verstanden werden könne. Gleichzeitig würde die Studentenschaft durch die Projektwoche auf verständliche Weise ins Themenfeld KI eingeführt werden. Durch den Abend führte Prof. Dr. Dr. Michael Marschollek, Direktor am PLRI, der jeden Referierenden ankündigte und im Anschluss folgte eine Diskussionsrunde, für die während der Veranstaltung über eine App die Fragen des Publikums gesammelt wurden.

Dr. Hinrich Winther, Assistenzarzt in der Radiologie der MHH, zählt maschinelles Lernen und Anwendungsgebiete neuronaler Netze zu seinen Schwerpunkten und begann die Vortragsreihe. Er veranschaulichte wie KI in der Radiologie eine große Zeitsparmöglichkeit darstelle und Diagnosen dank KI weniger fehleranfällig seien.

Als zweite Vortragende stellte sich M. Sc. Antje Wulff vor, die sich als Wirtschaftsinformatikerin viel mit KI als klinische Entscheidungsunterstützung im Bereich der pädiatrischen Intensivmedizin beschäftigt. KI könne die wissensbasierte Entscheidungsfindung enorm unterstützen und erleichtern, da persönliches Wissen nicht ständig abrufbar und vergleichsweise begrenzt ist. Ein kompletter Ärzteersatz sei KI allerdings nicht, laut Wulff.

Krankheitsbedingt musste Priv.-Doz. Dr. Sebastian Kuhn absagen.

Prof. Dr. Dr. Daniel Strech, der Medizin und Philosophie studiert hat und eine Heisenberg-Professur an der MHH innehat, setzt sich mit ethischen Fragen von Big Data in der Medizin auseinander. Betont wurden von ihm vor allem die Frage der Datennutzung und natürlich der Datenschutz. Wie sollen Patienten über die Datennutzung informiert werden und in welchem Format? Wem »gehören« die erhobenen Daten (Bsp. Land Niedersachen, Klinikdirektor, Hausarzt etc.) und welche Kontrollmedien wären sinnvoll? Ein reger Austausch zwischen allen involvierten Ebenen sei essentiell!

Der letzte Referierende Prof. Paul Lukowicz, Leiter des Forschungsbereichs »Eingebette Intelligenz« am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), erklärte auf humorvolle Weise, dass mit Smartphones eine 24/7 Überwachung der Menschen möglich sei und beispielsweise dazu führen könnte, frühzeitig potenzielle Morbiditäten zu erfassen und Mortalitäten weiter zu reduzieren. Er schloss mit alltagspraktischen Beispielen die Vortragsreihe ab.

In der nachfolgenden Diskussionsrunde wurden von den Referierenden hervorgehoben, dass sich der Beruf des Radiologen grundlegend verändern werde und ein offener Austausch darüber, auch mit der deutschen Ärztekammer und anderen Verbänden wünschenswert sein. Wichtig sei auch, präsent zu halten, dass zwar durch KI im Klinikalltag Zeit eingespart, früher und sicherer eine Diagnose gestellt werden könne, aber auch durch KI natürlich Fehler weiterhin auftretenden würden. Ein gutes Beispiel stellen hierbei die selbstfahrenden Autos dar. Weniger Tote im Straßenverkehr, soweit so gut, aber nichtsdestotrotz werden auch durch diese Innovation Menschen sterben. Thematischer Schwenk: Könnte es durch KI zu Diskriminierung kommen? Ja, wenn zum Beispiel bei der Vergabe von Lebertransplantationen wie in den Vereinigten Staaten das Geschlecht und die Ethnie eine Rolle spielen, da diese Parameter bei einer bestimmten Populationsgruppe Vorteile hinsichtlich einer möglichen Transplantatabstoßung bieten würden. Wichtig sei also darüber zu diskutieren welche Parameter in welcher Form im medizinischen Kontext genutzt werden sollten und dürften, unsere ethischen Vorstellungen wahrend. Im ethischen Kontext wurde auch die Selbstbestimmung der Patienten angesprochen, denn die Patienten haben ein Recht auf Nichtwissen. Was ist also tatsächlich klinisch relevant und sollte an die Patienten weitergeleitet werden und in welcher Form, Stichwort Überdiagnosen.

Wir alle werden in Zukunft vermehrt mit KI konfrontiert werden und für mich, als nicht technikaffinen Menschen, war die gestrige Veranstaltung sehr gelungen und mit einem großen Impact Faktor verbunden und Freunde von mir aus dem Publikum haben meine Einstellung geteilt.  Für das leibliche Wohl sorgte wieder Campus Life e.V.. Vielen Dank an das Orga-Team für diese tolle Veranstaltungsreihe!

/abb